Die Macht der Gnade

Die Macht der Gnade

"Heile das Zerbrochene". So überschrieb die gastgebende christliche Holzlandgemeinschaft Bad Klosterlausnitz ein so seltenes wie emotionales Treffen am Samstag in Weimar. Überlebende Opfer des Nazi-Regimes und ihre Angehörigen trafen Nachfahren der Täter.

Porträt Sie gehen durch das Tor von Buchenwald. Zwei Frauen. Sie werden die Rosen auf die Gedenkplatte legen, dann werden sie sich umarmen. Zwei Frauen. Die ältere heißt Eva Kor, die jüngere Bettina Göring.

Die ältere wurde als Kind Opfer der Experimente, die der KZ-Arzt Mengele in Auschwitz an Zwillingen vornahm. Die jüngere ist eine Großnichte von Hermann Göring. Für die, die sie begleitet haben an diesen Ort, hat Eva Kor eine Botschaft. Jeder kann etwas tun, um das Zerbrochene zu heilen. Und ihr Weg heißt Vergebung. "Ich habe den Nazis vergeben", sagt sie... [mehr]

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Ich empfinde es als eine Ehre, die Tochter eines Deutschen und einer Jüdin zu sein, denn ihr Lebensweg ist ein Weg der Befreiung. Mein Wunsch ist, dass ihr Leben ein Hoffnungsfunke der Heilung für viele andere sein möge. Auf meine deutsche Herkunft bin ich stolz, was für mich nicht bedeutet, den Horror der Vergangenheit zu vergessen... [mehr]

Verantwortung

Mit unbewegter Mine sitzt er im Rollstuhl und verfolgt den Prozess. Seinen Prozess. John Demjanjuk soll in mindestens 27.900 Fällen während des Nationalsozialismus Beihilfe zum Mord geleistet haben. Eine Zahl, ebenso unvorstellbar und abstrakt wie 55 Millionen. So viele Menschen sind Historikern zufolge dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen. [mehr]

Barbed Wire

Ich bin die Enkelin von einem Auschwitz-Täter. Immer, wenn ich etwas schreiben oder sagen möchte, das meinen Großvater betrifft, ist Widerstand in mir und Sätze wie „Das ist nicht wichtig, weil das ja schon so lange her ist.“ „Das interessiert eh niemanden.“ „Es ist nicht o.k., über Auschwitz zu sprechen.“ „Was habe ich denn damit zu tun? Ich habe meinen Großvater nie getroffen.“ [mehr]

Barbed Wire

Ich kann mich noch an das erste Mal erinnern, als ich an dem schwarzen Hakenkreuz vorbeigelaufen bin. Es war mit Sprühfarbe auf die Wand gemalt. Als Neuntklässlerin war ich gerade mit meiner Familie aus den Vereinigten Staaten ins Rheinland gezogen und konnte kaum glauben, was ich da sah. Also waren die Gerüchte wahr, die ich immer gehört hatte, - Deutschland war tatsächlich voller Neonazis! [mehr]